Zwei Sichtweisen auf die deutsch-französische Freundschaft

Schüler der Graf-Anton-Schule Wadern erkunden auf einem Tagesausflug METZ

Traditionell feiert die Graf-Anton-Schule den Tag des Elyséevertrages im Januar. Mit vielfältigen Aktivitäten wird daran erinnert, dass dieser Freundschaftsvertrag die Wurzel des erbaulichen Miteinanders in unserer Grenzregion bildet.

Mit der Einführung der Gemeinschaftsschule wird im Saarland wieder für alle Schüler ab dem 5. Schuljahr Französisch als Sprachkurs neben Englisch unterrichtet. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vermittlung mündlicher Sprachkompetenz. Also heißt es: „Auf nach Frankreich, französisch sprechen!" Metz liegt gleich um die Ecke, in eineinhalb Stunden Busfahrt bequem zu erreichen. Mit einem Altersabstand von 20 bis zu 40 Jahren zwischen den Sechstklässlern und den betreuenden Lehrerinnen und Lehrern ergeben sich interessante Unterschiede in der Sichtweise auf eine solche Fahrt.

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Beim Passieren der Grenze wundert man sich als älteres Semester immer noch über die Selbstverständlichkeit dieses unkomplizierten Grenzübertritts. „Gut, ich habe an meinen Pass gedacht. Wir werden doch hoffentlich nicht zu lange kontrolliert und aufgehalten", dachte man noch vor einigen Jahrzehnten als Schüler. „ Simmer schon in Frankreich?" „Jo, da war grad ein Schild mit France!", so hört sich das heute an. „ War gestern noch schnell auf der Bank und hab mir 10 Mark in Francs umgetauscht. Wie ist heute der Wechselkurs? " Mit diesen oder ähnlichen Überlegungen rechnete man sich früher aus, wofür das Taschengeld reichte. „Gibt es in Metz einen „Mäckes" und ich will mir was zum Anziehen kaufen!", so einfach läuft das, wenn man nicht einmal mehr bedenken muss, dass wir eine einheitliche Währung haben. Wir schauten uns einst Gebäude an, erfuhren vieles über ihre Geschichte, über Kriege und grämten uns insgeheim sehr über dieses schlimme deutsch-französische Kapitel. „Bonjour! Salut!" kreischen unsere Schüler begeistert aus dem ‚Petit train‘, dem kleinen offenen Zug auf Rädern, der uns an den altehrwürdigen Gebäuden der Stadt vorüberruckeln lässt. Die Metzer winken fröhlich zurück. Mit „Je voudrais s´il vous plaît..." kommt die Sprachkompetenz für allerlei Verlockendes in der Bäckerei zum Einsatz. Die junge Verkäuferin lacht herzlich und wartet geduldig, bis die schönste Tartelette gefunden ist. Nach einem Spaziergang entlang der Moselle und der Besichtigung der imposanten Kathedrale hinterlässt die Stadt bei allen Ausflüglern den Eindruck eines anregenden und zugleich entspannten Tages bei liebenswerten Nachbarn. Alles war früher nicht besser.